Andacht zur Jahreslosung in Zeiten der Corona-Krise

21. March 2020

Verfasst am 20.03.2020 von Pn B.Bartke

Liebe Lesende,

Ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24b)

Wer hätte gedacht, dass uns diese Losung nur wenige Wochen nach Jahresbeginn tatsächlich aus dem Herzen sprechen wird?

Als wir uns mit diesem Wort sowohl im Konfirmandenunterricht als auch in allen Gruppen beschäftigten, wirkte es sperrig, ja fast befremdlich in einer vermeintlich friedlichen Zeit. Einen freundlichen Zuspruch, einen deutlichen Trost oder auch eine nützliche Aufforderung für ein gutes Zusammenleben hätten wir dieser Jahresüberschrift noch vor wenigen Wochen vorgezogen.

Damals, als wir noch nicht ahnten, welche Anfechtungen uns nur kurz darauf miteinander verbinden würden, und wie schnell die fröhlichen Lebensweisheiten, die uns in guten Zeiten tragen, an Kraft verlieren können.

Jetzt aber dieser Schrei. Der Schrei eines Vaters, weil sein Sohn durch eine Krankheit an Leib und Leben bedroht ist.

Ein Schrei, damit wir ihn uns ausleihen, in Tagen, in denen wir die Fülle schnell aufeinander folgender beängstigender Informationen nur schwer aushalten und vielleicht ebenfalls nur noch schreien wollen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“

Erinnern wir uns daran, wie es zu diesem verzweifelten Schrei kommt: Gerade ist Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes vom Berg der Verklärung zu den anderen Jüngern

zurückgekehrt, die in einen Streit mit den Schriftgelehrten geraten sind, weil sie einen von Anfällen geplagten Jungen nicht haben heilen können.

Enttäuscht über das Versagen der Jünger, reicht der Vater des Jungen den Vorwurf der Heilungsinkompetenz ungebremst an Jesus weiter. „Wenn du kannst, erbarme dich unser und hilf uns“. Das ist seine erste und vor allem seine eigentliche und ursprüngliche und authentische Bitte.

Jesus aber gibt den Schwarzen Peter zurück und sagt:


„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“.


Damit wird aus dem Heilungsthema ein Glaubensthema.


Was aber will Jesus mit dieser Antwort in den Zuhörern provozieren? Hat der Glaube der Jünger ebenso wenig ausgereicht wie der Glaube des Vaters, weil niemand dem Sohn hat helfen können?


Diese Frage stellt sich dem Vater des kranken Jungen nicht.


Er fragt nicht nach dem Warum des Leidens noch danach, wie sein Glaube rein technisch vervollkommnet werden könnte.

Seine Bitte lautet schlicht:“ Erbarme dich unser!“


„Erbarmen“ aber hat vom Wortursprung her mit „Mutterleib“ zu tun, einem Organ, das Schmerzen verursachen kann.

Der Vater bittet Jesus also darum ihn in seinem Leid nicht alleine zu lassen, mit ihm mitzuleiden. „Mutterleib“ ist aber auch ein Synonym für vollständige Geborgenheit, manchmal auch jenseits von Gesundheit, Jugend und Erfolg.

Erst die Antwort Jesu „alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“ bringt den Vater in Anfechtung. Erst jetzt schreit er ihn an und ruft: „ich glaube, hilf meinem Unglauben.“

So geht es auch uns in dieser Zeit. Auch unser Glaube an den gütigen Gott fühlt sich durch unsere Ohnmacht herausgefordert. Mitten im finsteren Tal, mitten in der radikalen Konfrontation mit der Verletzbarkeit unseres Lebens, merken auch wir, dass sich unser Glaube nicht instrumentalisieren lässt und dass er kein Mittel zum Zweck sein kann. Weder die Krankheit des Sohnes in biblischen Zeiten, noch Viruserkrankung 2020 können mit einem defizitären Glauben begründet werden.

Und doch ist es der zwecklose Glaube allein, der uns hilft, uns auch in bösen Tagen in die Arme Jesu zu werfen, um mitten in Sorge und Angst auch Ruhe erfahren zu dürfen , damit wir an unserer Seele keinen Schaden nehmen.

Manchmal hilft es, den Gefühlen durch Schreie, Bitten und Flehen eine Bahn anzubieten, um durch allen Unglauben hindurch, jetzt erst recht im Glauben an Gott zu bleiben.

Lange Sätze und detaillierte Erklärungen, die uns in langen Gebeten in diesen Wochen angeboten werden, brauchen wir dafür nicht unbedingt.

Die Jahreslosung heißt: “ich glaube, hilf meinem Unglauben“


Ursprünglich aber haben dem Vater in seiner verzweifelten Situation drei Worte gereicht, die wir uns gut merken können. Und die heißen: Erbarme dich unser.

Amen


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